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Testberichte und Glaubenskriege

4. Februar 2010 | Von admin | Kategorie: Testberichte

Testberichte und die getesteten Produkte führen in manchen Foren immer wieder zu Glaubenskämpfen und bei manchen Anwendern zur “Testgläubigkeit”, in einigen Foren werden darüber regelrechte Streits ausgetragen. Besonders kritisch kann es werden, wenn in einem Test Plätze vergeben werden, Platz 1 - der Testsieger - Platz XX - die Testnieten. So mancher Leser steht dem Testberichten in Zeitschriften sehr unkritisch gegenüber.

Wie Unsinnigkeit die “Testgläubigkeit” sein kann, möchte ich heute einmal in einem Beitrag beschreiben, bei dem von vornherein die Voreingenommenheit von Lesern und “Glaubenskriegern” ausgeschlossen werden kann: Markennamen und Produktnamen werden nicht genannt.

Der Test ist schon einige Jahre alt (2005). Er wurde als Praxistest in einer Heimwerkerzeitschrift veröffentlicht. Getestet wurden Beschichtungen, die Rostschutzgrundierung und gleichzeitig Endschutz sind (2in1 und 3in1 Beschichtungen) sowie Grundierungen, für die ein Decklack nötig ist. Es wurden ausschließlich Produkte getestet, die typische Heimwerkerprodukte sind.

Das in der Zeitschrift beschriebene Vorgehen bei dem Test kann man als praxisgerecht bezeichnen. Ein normgerechter Test, wie er bei DIN Prüfungen vorgenommen wird, war es nicht. Ein solcher Test hätte vielleicht zu anderen Ergebnissen geführt.

Die Bewertung erfolgte nach Punkten für:

- Verarbeitung (einfach oder schwer)
- Auftrag (befriedigend oder nicht)
- Schichtbildung
- mechanische Festigkeit
- Salzsprühtest und Test in der Klimakammer jeweils bei rostigem und rostfreiem Untergrund

Wie subjektiv solche Tests sind, möchte ich nun anhand einiger Beispiele zeigen.

Produkt “Testsieger”, das auf blankem Metall nur schlecht zu verstreichen ist (geringe Schichtdicke beim Erstauftrag, lange Trocknungszeit, für den Korrosionsschutz ausreichende Schichtdicke erst nach 3 bis 5 Schichten und ca. 3 bis 4 Arbeitstagen) bekam sowohl für die Verarbeitung wie für die Schichtbildung die volle Punktzahl .

Produkt “Platz 4 im Test”, das bei einmaligem Auftrag bereits eine doppelt so dicke Schicht erzeugt und auf horizontalen Flächen problemlos aufgetragen werden kann und eine erheblich bessere Haftung als das Produkt “Testsieger” hat, erreichte nur den 4. Platz.

“Produkt Platz 21″ im Test ist einfacher als “Testsieger” und “Produkt Platz 4″ zu verarbeiten, erhielt aber nur 4 von 5 Punkten. Warum das Produkt im test, das am Leichtesten umzurühren und zu verstreichen ist, abgewertet wird, können Punkte nicht erklären. Laut Testbericht wurden alle Produkte, die kein Endschutz sind, mit einem Endschutz vom gleichen Hersteller (wenn beim gleichen Hersteller lieferbar) überarbeitet. Der Hersteller von “Produkt Platz 21″ bietet einen Decklack an - von den Testen wurde ein Fremdprodukt verwendet. “Produkt Platz 21″ ist kein Produkt, das auf blankem Metall verarbeitet werden kann, es wurde aber von den Testern auf rostfreiem Metall verarbeitet.

Das “Produkt Platz 3″ wurde abgewertet, weil die Schicht mechanisch nicht sehr widerstandsfähig ist. Auch das kann kein Testbericht mit Punkten erklären, wenn es nicht erläutert wird. Und genau diese Erläuterungen fehlten im Test. Grund für die geringe mechanische Festigkeit ist die Basis des Lacks. Die sehr umweltfreundliche Basis kann niemals sehr widerstandsfähig sein. Pluspunkte für Ökologie bekam jedoch kein Produkt. Der Schutzwirkung nach ist das Produkt jedoch mangelhaft und es ist fast unerklärlich, wie es den dritten Platz schaffte.

“Produkt Platz 11″ gehörte ebenfalls zu den Produkten mit einer sehr ausgefallenen Basis im Vergleich zu den anderen Beschichtungsstoffen. Im Gegensatz zu den anderen getesteten Produkten ist die Verwendung von “Produkt Platz 11″ eher im Kfz-Bereich anzusiedeln und dort hat es sich auch bewährt. Da es kein Endschutz ist, wurde es mit einem anderen Decklack überarbeitet. Der Hersteller produziert keinen Decklack, welcher Decklack von den Testern verwendet wurde, wird nicht erwähnt, sondern nur die Basis des Decklacks (Kunstharz). In die Gesamtwertung ging also auch die Applikation eines nicht genannten Decklacks mit ein. Das Fremdprodukt kann sich negatiiv beim Salzsprühtest oder beim Klimatest ausgewirkt haben.

“Produkt Platz 14″ bei diesem Test war ein Lack, den man, wenn ich die Angaben des Herstellers auf den Dosen und auf der Webseite des Herstellers richtig verstehe, als Metallschutzlack im Innenbereich einsetzt, speziell in Wohnungen. Zur Abwertung führten vor allem die schlechte Verarbeitbarkeit und die ungleichmäßige Oberffläche. Zusammen mit nur 4 von 5 beim Salzsprühtest und Klimatest führte dies dann wohl zur Abwertung auf den 11. Platz. Für einen Lack, der nur im Wohnbereich verwendet wird, sind aber Abwertungen beim Salzsprühtest und Klimakammertest fast irrelevant.

Zu den Produkten, die auf den hintersten Plätzen landeten finden sich Bemerkungen der Tester wie “Streifenbildung, trocknet langsam, verläuft und trocknet langsam”, aber auch in einem Fall Positives wie “sehr dicke Schicht”.

Spätestens jetzt werden kritische Fragen fällig. Dem Testsieger wurde eine sehr gute Schicht und eine gleichmäßige Verarbeitung bescheinigt, dem Produkt auf Platz 4 (vermutlich das Produkt mit der dicksten Endschicht) wurde zur Schicht die Bemerkung “leichte Nasenbildung” attestiert.

Wenn Sie auch zu den “Testgläubigen” gehören, sind Sie nun vielleicht etwas kritischer geworden und haben auch verstanden, warum Test oft so wenig aussagefägig und interpretationsbedürftig sind: es kommt auf wichtige Details an.

Zu den Eigenschaften der Produkte kann man nämlich sehr viel genauere Aussagen nach einem Test machen, als es dann auf zwei, drei oder fünf Seiten zu lesen ist. Ich möchte das mit einigen Beispielen verdeutlichen, ohne nun zu nennen, auf welchen Plätzen im Test die Produkte plaziert wurden.

“Produkt A”: schnitt im Test mit einer guten Verarbeitung und guten Schichtbildung ab. Das Produkt habe ich wiederholt selbst ausprobiert. Die Schichtstärke liegt nach zweimaligen Auftrag nach der Messung mit dem Schichtdickenmeßgerät bei 40 bis 60 µm. Für einen ausreichenden Korrosionsschutz im Außenbereich sind mindesten 120 µm erforderlich. Die geringe Schichtdicke führt zu einem höheren Verbrauch und somit zu höheren Kosten. Im Pinsel war bei unseren Tests mit diesem produkt oft mehr Lack als auf der Oberfläche, der Pinsel trieb das schlecht haftende Produkt oft nur über das blanke Metall. In einem objektiven Test müßte dies zu einer Abwertung führen. “Produkt A” erreichte im Test einen der vorderen Plätze.

“Produkt B” landete im Test im Mittelfeld, wurde aber als “sehr gut auftragbar” beschrieben. Wie würden Sie nun “Produkt C” bewerten, zu dem zur Verarbeitung “leichte Nasenbildung” vermerkt wurde? Sicher als “schlecht auftragbar.” “Produkt C” hat vor allem eine extrem gute Haftfähigkeit und kann kinderleicht mit dem Pinsel oder der Rolle aufgetragen werden. Nasenbildung erfolgt nur bei zu dickem Auftrag und falschem Pinsel oder Rollen. Welche Eigenschaft von “Produkt C” ist Ihnen als Verbraucher und Anwender nun wichtiger? Die einzige im Test vermerkte Eigenschaft “Laufnasen” oder die gute Haftung, von der Sie nichts erfahren, weil die Tester die Laufnasen für wichtiger hielten?

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