Anstrichaufbau und Anstrichpruefung
Die Beschichtung einer Oberfläche mit einer Lackfarbe oder einem anderen Beschichtungsstoff dient vor allem dem Erhalt von Sachwerten. Deshalb haben Anstriche und Beschichtungen mehrere aufgaben:
Sie müssen vor mechanischen Schäden schützen.
Sie müssen gegen Witterungseinflüsse und Korrosion beständig sein.
Anstrichträger (Untergründe)
Untergründe werden in 4 Gruppen eingeteilt:
Mineralische Untergründe: Putz, Beton, Steine, Gips (-platten)
Metallische Untergründe: Eisen, Stahl, Nichteisenmetall
Organische Untergründe: Holz, Holzplatten, Spanplatten, Kunststoffe
Sonstige Untergründe: Glas, Leder, textile Untergründe u.v.a.m.
Nicht jeder Anstrich ist für alles geeignet. Es macht keinen Sinn, wenn Sie einen Lack, der nur für Holz geeignet ist, auf Metall auftragen. Umgekehrt ist ein guter Metallschutzlack nicht immer auch für den Anstrich von Holz geeignet.
Der Anstrichfilm
Beschichtungen erzeugen nach dem Auftrag einen Anstrichfilm, der nach einer gewissen Zeit trochnet und durchhärtet. Meistens sind mehrere Anstriche übereinander aufzutragen. Diesen Aufbau bezeichnet man als Anstrichsystem.
Anstrichsysteme
Anstrichsysteme bestehen aus 2 bis ca. 7 Schichten. Beim Korrosionsschutz können dies 2 bis 4 Schichten sein, bei chemikalienfesten Anstrichen bis zu 4 Schichten (Die Angaben beziehen sich auf die Verwendung von Produkten aus unserem Sortiment, bei anderen Produkten können mehr Schichten nötig werden. Der Auftrag von z.B. Spachtelmassen, wie im Bootsbau oft nötig, ist dabei nicht berücksichtigt).
Ein Anstrichsystem kann also z.B. so aufgebaut werden:
1. Haftgrund - Grundierung - Decklack
2. Grundierung - Decklack
3. Grundierung - Decklack mit einem Produkt (z.B. BRANTHO-KORRUX 3in1 und OWATROL DECO)
4. Grundierung - Zwischenschicht - Decklack mit einem Produkt (z.B. BRANTHO-KORRUX 3in1)
Fehler beim Aufbau eines Anstrichsystems
Vermeiden Sie die Kombination von Lacken, die nicht zusammenpassen! Z.B. 1 Schicht wasserlöslicher Lack, 1 Schicht losemittelhaltiger Lack.
Tragen Sie niemals einen unelastischen Lack auf einen elastischen Lack auf! Das Ergebnis sind Spannungen und Risse in der Oberfläche.
Die Beschichtungen der Firma BRANTH in unserem Sortiment passen sehr gut zusammen. Wenn Sie Produkte anderer Hersteller verwenden, beachten Sie die klassische Malerregel, dass ein Anstrichsystem von mager nach fett aufgebaut wird. D.h. der Beschichtungsstoff, der weniger Bindemittel enthält, gehört nach unten, jeder weitere Auftrag sollte immer höhere Bindemittelanteile aufweisen. Verfahren Sie falsch, als umgekehrt, kommt es zu Spannungen, Rissbildungen und / oder Runzelhaut.
Altanstriche auf Tragfähigkeit prüfen
Altanstriche, die neu angestrichen werden sollen, müssen zuerst auf ihre Haftfähigkeit geprüft werden. Nur einwandfrei haftende, alte Lackschichten, sind für eine Neubeschichtung geeignet.
Lose, abplatzende Schichten und alle Schichten, die bald abplatzen könnten, müssen entfernt werden. Kreidende Untergründe müssen entfernt werden.

Bei einem Altanstrich wie auf diesem Foto können Sie ohne Probe davon ausgehen, dass der Altanstrich komplett entfernt werden muss. Hier blättert die alte Beschichtung schon großflächig ab und es ist damit zu rechnen, dass auch die noch fest sitzenden Schichten sich in einiger Zeit ablösen werden.

Bei der Betrachtung mit den bloßen Augen sieht diese Oberfläche an vielen Stellen noch intakt aus. Nur kleine Risse im Lack deuten darauf hin, dass die Beschichtung nicht mehr haftet. Wer hier die Spachtelprobe macht, zieht gleich eine größere Fläche Lack ab. Bei diffusem Tageslicht waren die vielen kleinen Rostpunkte mit den bloßen Augen nicht erkennbar, erst auf dem Foto konnte man sie deutlich erkennen.
Sehr oft stellt sich erst nach der Neubeschichtung heraus, daß der alte Anstrich nicht mehr tragfähig war. Prüfen Sie den Altanstrich deshalb gründlich.
Machen Sie zuerst die Kratzprobe. Dazu benutzen Sie einen Spachtel oder ein Messer und schaben die Oberfläche an. Haben Sie danach Späne, die sich leicht zerbröseln lassen, in der Hand, muss der Altanstrich entfernt werden.
Die Abrissprobe führen Sie mit einem guten Klebeband durch. Das Klebeband wird fest auf den Altanstrich gepresst - möglichst an mehreren Stellen - und mit einem Ruck abgezogen. Reißt das Klebeband Teile der alten Beschichtung mit, muss der Altanstrich entfernt werden.
Für die Anlöseprobe benutzen Sie Nitroverdünner oder Testbenzin und benetzen die Oberfläche damit etwas. Leider ist diese klassische Probe heute nicht mehr ganz zuverlässig. Der Test mit Nitroverdünnung gibt nur mit Sicherheit darüber Auskunft, dass Sie diesen Altanstrich besser nicht mehr mit einem lösemittelhaltigen Lack überarbeiten sollten. Ein ölhaltiger Lack wie OWATROL DECO kann darauf noch halten, muss aber nicht. Wird der Altstanstrich bei der Anlöseprobe angelöst, gilt im Zweifel immer, dass der alte Anstrich entfernt werden muss.
Die Härteprobe (auch Kratzprobe, Kratzhärteprobe genannt) ist nicht sehr zuverlässig, wenn man nur mit einem harten Gegenstand die Oberfläche ankratzt. Exakte Prüfungen sind nur dem Fachbetrieb möglich, der diese mit speziellen Messgeräten (Kratzhärteprüfer, Kugelschlagprüfer) durchführen kann.
Wenn Sie einen Fachbetrieb mit der Restaurierung beauftragen, steht diesem evtl. noch eine sehr exakte Prüfmethode zur Verfügung, der Gitterschnitt. Beim Gitterschnitt nach DIN 53151 wird ein gitterartiges “Messer” auf den Altstanstrich gedrückt, das kreuzweise in Abständen von 1 bis 5 mm eine gleichmäßige Schnittzahl durchführt. Wichtig ist bei der Prüfung von Altanstrichen, dass die Schnitte bis in den Untergrund reichen.
Bei dieser Probe entstehen kleine Quadrate.
Gitterschnittkennwert Gt 0: es platzen keine Teilstücke des Altanstrichs ab.
Gitterschnittkennwerte Gt 1 bis Gt 4: an den Schnittpunkten platzen Teile der Fläche von 5 % bis 65 % ab (Gt 5 = mehr als 65 %). Je mehr abplatzt, um so geringer ist die Tragfähigkeit des Altanstrichs.
